not my president Wed, Jun 2. 2010
SIGINT Tue, Jun 1. 2010

Davon abgesehen, dass Köln ein echter Pluspunkt ist und das Wetter fantastisch war, hatte ich doch das meiste schon gehört. Ich will nicht sagen, dass das schlecht ist – es ist im Gegenteil sogar richtig gut, dass der CCC eine Veranstaltung mit mehr Ausrichtung auf die Gesellschaftsperspektive angefangen hat und damit den Congress entlastet. Trotzdem werde ich im kommenden Jahr lieber auf die re:publica fahren, die sich in der Hinsicht einfach schon etabliert hat und der SIGINT den Rang abläuft.
Direktbezahlsysteme Tue, Jun 1. 2010
Die Technology Review wies in der Januar-Ausgabe auf die Gefahren hin:
Der Schönheitsfehler dabei: Kunden müssen die Zugangsdaten zu ihrem Konto einem Dritten überlassen. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen…
Banken und Sparkassen scheinen ihren Kunden jetzt zunehmend wegen der Benutzung des Dienstes zu kündigen (nach "sofortüberweisung" googlen).
Mein Magen verkrampfte sich kurz, weil ich wusste, dass ich irgendwann mal einen solchen Direktbezahl-Dienst benutzt habe, um mein Konto bei einem VoIP-Anbieter aufzuladen.
Bei einem meiner Anbieter ist auch bis heute das sofortüberweisung-Logo im Kundenmenü zu sehen. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass es Sipgate war, bei denen ich das Konto aufgeladen habe. Sipgate benutzt allerdings den Sparkassen-eigenen Dienst giropay.
Über sofortüberweisung bin ich auch schon mal gestoßen, dann aber ziemlich sicher vor der Eingabe von PIN und TAN zurückgeschreckt.
Im März vermeldete sofortüberweisung 1000 Transaktionen in der Stunde. Wie die Überweisungen durchgeführt werden, ist indessen nicht transparent.
Das TÜV-Zertifikat "Geprüftes Zahlungssystem" schweigt über den genauen Ablauf. Die Informationen zur Sicherheit des Vorgangs sind diesen Titel nicht wert, es wird lediglich beschwichtigt, es sei
zu keinem einzigen PIN/TAN Betrugsfall gegenüber Endverbraucherngekommen,
die ihre PIN und TAN in die Systeme der Payment Network AG eingegeben haben. Falls doch mal was schief laufen sollte, hat man sich
für den unwahrscheinlichen Fall eines Datenmissbrauchesversichert (
in Höhe von bis EUR 5.000,-- je Schadensfall bei PIN- und TAN-Missbrauch).
Dass MitarbeiterInnen sich händisch auf den Konten einloggen und Überweisungen tätigen, wie es in einigen Foren der ersten Google-Treffer nahegelegt wird, kann ich mir schlecht vorstellen. Möglich wär's aber, wenn man sich den Bericht von Axel Kossel bei heise security vom September 2009 anschaut: Er berichtet, dass beim Test ein anderes Konto belastet wurde als das, das er angegeben hatte. Spooky.. o O ( Ich habe vorsichtshalber mal wieder meine PIN geändert. )
Eine API werden Banken der Payment (wie sich die Payment Network AG in den AGB abkürzt) wohl nicht eingeräumt haben. Im November 2008 meldete ZDNet: Sofortüberweisung.de droht Giropay mit Rechtsmitteln.
Banken und Sparkassen haben den Trend nicht verpasst und rechtzeitig eigene Direktbezahlsysteme aufgebaut. Im Hinblick auf den flattr-Hype, der in den letzten Tagen die Tweets beherrschte, fiel mir das Telepolis-Interview mit Ben Tellings (Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa) auf: "Ein Großteil der Kunden pflegt in sozialen Netzwerken zwar Freundschaften, nicht aber die Finanzen"
Lothar Lochmaier fragt darin, ob Tellings einen Trend ausmachen kann, Finanztransaktionen in Social Networks hineinzuverlagern. Am Beispiel von sofortüberweisung winkt er ab: da sei ja gerade die Diskussion im Gange, dass Banken die Benutzung des Dienstes eben als Verstoß gegen ihre AGB werten.
Da mittlerweile verschiedene Bezahldienste, die das Geldausgeben vereinfachen sollen, aus dem Boden schießen, stellt sich doch die Frage, ob es sein darf, dass einerseits Plattformen wie ebay und andererseits Banken ihr Monopol auf die Abwicklung von Zahlungsverkehr benutzen dürfen, um sich und ihre eigenen ePayment-Systeme. o O ( jetzt hab ich's doch gesagt ) gegen die von Wettbewerbern durchzusetzen.
Die Banken haben aber natürlich auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Kunden, einen sicheren Zahlungsverkehr sicherzustellen. Ein System wie sofortüberweisung kann die Hemmschwelle bei den Kunden senken, PIN und TAN auf beliebigen Webseiten einzugeben – und damit Phishern ihr Handwerk erleichtern.
Sofortüberweisung.de will gegen Verbot durch Ebay klagen, meldete ZDNet im Oktober 2008. Entweder wurde aus der Klage nichts oder aber die Payment war nicht erfolgreich, jedenfalls ist sofortüberweisung bis dato auf der Liste der verbotenen Zahlungsmittel bei ebay.
In einem Foren-Thread wurde als Antwort auf ein
hallo, wie unseriös ist das denn?ein Link auf conrad.de gepostet, der nicht mehr funktioniert – ich dachte schon, conrad.de hätte den Dienst mittlerweile nicht mehr im Angebot, kurzes Suchen liefert aber die aktuelle Seite Bestellen, liefern, bezahlen: Sofortüberweisung.
Mein VoIP-Anbieter will die Geschehnisse rund um sofortüberweisung jetzt aufmerksam beobachten, bis auf weiteres sofortüberweisung aber weiter zulassen.
Merkmalsbewußte Größenanpassung Fri, May 28. 2010
In der Berufungskommission (BK) Computergrafik, die heute Mittag stattfand, stellte sich die in Tel Aviv aufgewachsene Russin Olga Sorkine vor.
So eine BK fängt an mit einer Vorlesung, wie sie typischerweise im Grund-/Bachelorstudium anzutreffen wäre. Im Anschluss folgt ein wissenschaftlicher Fachvortrag, der die Forschungs-Eignung der Bewerberin darlegen soll.
Die Vorlesung war interessant und gut aber richtig spannend, es ging um die Grundlagen von 3D wurde es beim wissenschaftlichen Vortrag. Dort zeigte Frau Sorkine, woran sie für ihren PhD und überhaupt in den letzten Jahren geforscht hat.
Beim Skalieren von Bildern werden normalerweise die Bildinhalte in zwei Dimensionen gestaucht oder gestreckt. Damit bleiben die Proportionen von Objekten normalerweise nicht erhalten. Aus einem Ball wird ein Oval oder ein Ei, aus einem Quadrat ein Rechteck usw.
Seit einiger Zeit gibt es also in Foto-Bearbeitungssoftware wie Photoshop "intelligente" Tools zum Verändern der Größe von Bildern, die die Proportionen von Objekten im Bild erhalten sollen.
Im einfachsten Fall kann man wohl davon ausgehen, dass die wesentlichen Inhalte auf Fotos und Filmen sich immer in der Mitte befinden, so zwischen dem oberen und unteren Drittel (goldener Schnitt und so). Man kann also einfach an den Rändern Inhalte stauchen oder Strecken und es wird kaum auffallen.
Besonders verlässlich ist das aber nicht, deswegen nehmen intelligentere Tools eine Merkmalsanalyse des Bildes vor. Dabei entstehen "saliency maps", also Karten des Bildes, die die wichtigsten Regionen kennzeichnen. Man verändert dann nur die weniger "wichtigen" Teile des Bildes, sodass die (für unsere Wahrnehmung) wesentlichen Bildregionen (und damit die Proportionen der Objekte, auf die wir achten) erhalten bleiben.
Die saliency maps, die in den von Frau Sorkine vorgestellten Arbeiten verwendet wurden, basieren auf der Kombination verschiedener Merkmalsfilter, dadurch sind die Ergebnisse besonders sehenswert.
Die oben vorgestellten Algorithmen arbeiten vor allem auf statischen Bildern. Deswegen sind besonders Firmen wie Adobe an der Forschung beteiligt. In der letzten Zeit hat sich der Fokus der Forscherin dann aber zu Bewegtbildern bewegt, wo ähnliche Prinzipien verwendet werden, allerdings eben gerade bewegte Bereiche von besonderer Wichtigkeit sind.
Firmen wie Disney haben ein großes Interesse daran, alte Filme für moderne Plattformen zu "retarget"en, also sollen Inhalte, die in 4:3 entstanden sind, auf 16:9 oder mobilen Plattformen mit geringerem Kontrast neu vermarktet werden.
Sport-Fernsehsender wollen ihre Übertragungen in Echtzeit für unterschiedliche Plattformen aufbereiten, . o O ( Wir wollen ja alle die WM auf dem Handy glotzen, wisst ihr ja. ) allerdings sind die Berechnungen im Moment so aufwendig, dass sie – zumindest mit der Methode, an der Frau Sorkine mitgearbeitet hat – nicht in Echtzeit ablaufen können. Es scheint aber Methoden zu geben, die auf aktuellen Rechnern annehmbare Ergebnisse zeigen.
Ich bin ja kein Video-Typ – ist einfach nicht mein Medium – aber mich ich finde diese Methoden sehr spannend, denn irgendwo ist da dann ja doch noch ein kleiner
Die Berufungskommissionen werden übrigens in der Regel per Email angekündigt und jedeR StudentIn kann daran teilnehmen und Vorlesung und Vortrag bewerten.
Siehe
Lobbying the EU Parliament Wed, May 19. 2010
(Zusammenhang: siehe Europäische Netzpolitik)
Gestern Abend habe ich beim CCCHB von Brüssel erzählt und konnte mir dann doch noch mehr Reim auf das Erlebte machen.
So berichtete Joe McNamee von EDRi unter anderem folgendes:
- Auf der europäischen Tagesordnung steht in Zukunft wieder verstärkt die Internet Governance, nachdem die USA auf dem Internet Governance Forum bisher wenige weitergehende Mitbestimmungsmöglichkeiten für andere Staaten eingeräumt haben. Immerhin wurde die ICANN im vergangenen Herbst weiter geöffnet.
- Unter dem Thema Netzneutralität sprach Joe eine Initiative an, nach der das RIPE Providern in Zukunft einfach ihre IP-Adressbereiche entziehen könnte, wenn sie beispielsweise P2P-Verkehr nicht unterbinden. Das wäre dann wohl sowas wie Three Strikes in der Variante top-down.
- Die nationalen eID-Systeme (also ePass, ePerso, eGesundheitskarte und andere Systeme für die elektronische Signatur), die – zur Förderung deutscher Wirtschaftsinteressen, wie man hierzulande hinter vorgehaltener Hand gerne sagt – überall aus dem Boden sprießen, müssen über kurz oder lang europäisch vereinheitlicht werden. Unter anderem, was ich interessant finde, auch mit dem Argument, dass die europäische Bürgerinitiative (also Petitionen auf EU-Ebene) sonst ja überhaupt nicht funktionieren. Stimmt, eine Million EU-BürgerInnen zusammenzukriegen, um ein Vorhaben ins EP zu bringen, ist mehr oder weniger unmachbar. Mit eID dann natürlich online und viel einfacher.
Die Wurstmaschine muss ständig immer irgendetwas produzieren. Ob das sinnvoll ist oder nicht spielt doch überhaupt keine Rolle.
Willi Rothley (via EU-wiki: Tratten)
Ich war echt sehr angetan von der Präsentation von Erik Josefsson (Greens/EFA MEP, ehem. FFII), die bestand nämlich – jedenfalls was meine Aufzeichnungen noch hergeben – hauptsächlich aus der Demonstration ziemlich cooler Hacks, mittels derer er sich das Leben in der EU leichter macht.
- Hinter der URL OEIL (FR: Auge) verbirgt sich das "Legislative Observatory" der EU. Dort kann man sich den Prozess anschauen, wie bei der Gesetzgebung (ist das überhaupt das richtige Wort? Müsste es nicht "Richtliniengebung" heißen?) Änderungen an den Gesetzesvorschlägen gemacht werden. Allerdings immer nur häppchenweise. Also jede einzelne Änderung an einem Vorschlagspapier wird einzeln dokumentiert. Ein Nerd wie Josefsson. o O ( im positivsten Sinne! ;) ) hat sich da natürlich was ausgedacht: Er 'pipe't, unter Zuhilfenahme von Changedetection.com und auf Github entwickelter Perl-Magic, alle Änderungen und Änderungsänderungen in sein Wiki EU-wiki: Tratten. Tratten ist das niederländische Wort für Filter, inspiriert durch oben zitierte Aussage eines deutschen MEP. So lassen sich mittels Mediawikis Diff-Funktion die Änderungen sehr komfortabel nachvollziehen.
- Er drückte uns außerdem drei Papiere in die Hand, die verdeutlichen, wie Lobbying idealerweise funktioniert. Eine Gruppe versucht ein MEP mit ihrer Meinung zu überzeugen. Dazu gibt es natürlich Gespräche und Emails etc., letzten Endes dann einen Abstimmungsvorschlag. Wenn ein MEP tatsächlich "auf Linie gebracht" wurde (ich verwende diesen bösen Ausdruck jetzt mal, ohne ihn ganz so böse zu meinen), drückt man ihm eine Voting List in die Hand, auf der tatsächlich detailliert steht, wann das MEP die Hand zu heben hat. Also zu welchem Antrag und Änderungsantrag wann zugestimmt oder abgelehnt werden muss, um die von der Gruppe gewünschte Position im EP zu vertreten…
Achim Klabunde (Europäische Kommission, Information Society and Media) berichtete aus der Europäischen Kommission:
- Die Tagesordnungspunkte, zu denen die Kommission tagt, stehen immer etwa ein Jahr im Voraus fest. Am jeweiligen Tagungs-Tag wird dann zuvor zum Thema getane Arbeit abgestimmt – es erfolgt eine Zustimmung. Da die Kommission einstimmig entscheiden muss, reicht eine Gegenstimme, um eine Entscheidung zu blockieren. Deswegen schaffen es strittige Themen gar nicht erst auf die Tagesordnung.
- Arbeitspapiere der Kommission werden vor deren Abstimmung nicht veröffentlicht, die Arbeit daran erfolgt geheim. Deswegen war von der Digital Agenda bis heute auch nicht viel zu hören.
- Das Telekom-Paket (das ist das, wo Three Strikes bis kurz vor der Abstimmung für Europa geplant war) enthält eine ePrivacy-Richtlinie, die jetzt bis Mai 2011 in deutsches Recht umgesetzt sein muss. Das BMWi ist federführend, bisher fehlen Datenschutz-Punkte im Entwurf aber scheinbar noch völlig.. o O ( Ich weiß nicht, ob das tatsächlich von Herrn Klabunde kam, man möge mich korrigieren. )
Jérémie Zimmermann (t) von La Quadrature du Net:
/* TODO: Mist, ich muss weg. Aber bis hierhin ist das ja vielleicht trotzdem schon interessant für euch ;) */- ACTA war das Bestreben der USA und Japan, international das Copyright zu harmonisieren (was auch immer das heißen mag). Dann kam die EU und wandte ein, dass da aber dringend ja auch noch Patente, geographische Indikation (das ist die Spezialität der Europäer: Schwarzwälder Schinken, Champagner, Cheddar, …) aka Protected designation of origin usw. mit rein müssten. Also nur wenn ihr euch fragen solltet, wem wir ACTA zu verdanken haben. Jedenfalls gibt es dazu die Schriftliche Erklärung 12/2010, die noch UnterzeichnerInnen im EP sucht!
- Laquadrature veröffentlicht ziemlich coole sogenannte Web Dossiers (in der Linkleiste oben auf "Dossiers" klicken), in denen zu verschiedenen Themen wie ACTA oder zum Telecoms Package alle veröffentlichten Infos zusammengestellt werden. Ziemlich cool, weil es einem so recht einfach gemacht wird, den Verlauf eines Themas nachzuvollziehen. Sowas brauchen wir definitiv auch für den AK Zensur etc.!
- Für das Telecoms Package insbesondere steht eine Law Tracks-Seite im LQDN-Wiki zur Verfügung, über die man die Entwicklung des Gesetzespakets über die Zeit im Detail nachvollziehen kann!
Wo es in nationalen Parlamenten Koalitionszwänge gibt, finden sich auf europäischer Ebene viel einfacher Koalitionen auf der Basis von Themen. Das macht die EU nicht nur sympathisch sondern auch interessant für uns. Der Einstieg in die EU fällt uns allen sicherlich schwer. Engagement lohnt sich aber auch unmittelbar.
Europäische Netzpolitik Mon, May 17. 2010
Solche Besucherfahrten nach Brüssel (oder Strasbourg etc.) sind einerseits Werbeveranstaltungen für MEPs, also Abgeordnete laden ihre Fans ein, andererseits aber Bildungsveranstaltungen, bei denen man Europa kennenlernen soll.
Deswegen fängt der offizielle Besuch im EP dann mit einer PowerPoint-Präsentation einer Leiterin an, die die Grundlagen aufarbeitet: Was sind die Organe der Europäischen Union (Mordor, Isengard und Gondor) und wie funktioniert das Erlassen von Richtlinien (das ist alles ganz einfach, vlg. Diagramm links)… Das mag dröge klingen, ist aber notwendig, weil ja immer wieder festgestellt wird, dass die Europäer das System Europäische Union nicht kennen. Mangels ausreichender schulischer Vorbildung (ich glaube meine Lehrerin sagte damals, sie verstehe das auch nicht so richtig) bekommt man dann also die Grundlagen vermittelt. Zu meinem großen Erstaunen war die Leiterin, die vortrug, allerdings nicht nur "im Service", wie ich ihr insgeheim vorschnell unterstellte sondern ausgezeichnet vorbereitet (neue Unterstellung: Politikwissenschaftlerin), um unsere Fragen. o O ( die der anderen ) zur European Digital Agenda, der Netzsperren-Initiative von Cecilia Malmström ("Censilia") usw. zu beantworten.
Dann weiter mit dem Teil, der sonst vermutlich eher oben bereits inkriminiertem Huldigen des Abgeordneten gleicht, JPA betrat das Podium und setzte sich etwas einsam und leicht irritiert hinter das mittlere der drei Mikrofone und beantwortete noch weiter gehende Fragen zu unseren Themen.
Damit war der Touri-Teil im EP aber mehr oder weniger vorbei, den ganzen Nachmittag über saßen wir dann in einem Besprechungsraum am Ende eines Flurs von (anscheinend konservativen) Abgeordnetenbüros. Joe McNamee von EDRi, der quirlige Jérémie Zimmermann (t), Erik Josefsson (Greens/EFA MEP, ehem. FFII) und Martin Köhler und Achim Klabunde (Europäische Kommission, Information Society and Media) berichteten ausführlich von unterschiedlichen Aspekten des Engagements in Europa.
Ich muss frei heraus sagen: An den Vorträgen und Erlebnissen am Dienstag arbeite ich heute noch. Ich war streckenweise kaum noch aufnahmefähig und habe nur Bahnhof verstanden. Toll. Die Informationen waren so dicht und so kontextlastig, dass es für mich auch an Wunder grenzte, dass einzelne intelligente Nachfragen aus unseren Reihen kamen.. o O ( Ich schließe: Den meisten anderen ging es nicht viel anders als mir. Oder ist das jetzt zu viel Eigenlob? )
Die Kommission beschließt jedenfalls morgen (18. Mai 2010) die "European Digital Agenda" (oder "Digital Agenda 2015.eu"), die gerüchteweise auch wieder Netz-Sperren, Alterseinstufungen für Webseiten ("Kindernet") und was zu Cybercrime beinhalten wird. Kommissions-Entwürfe sind für gewöhnlich geheim bis zu ihrem Beschluss, deswegen gibt es bisher keine Details.
PS: Den Besuch im EP kann ich nur empfehlen. Petit Café für 0,70€!

1995-* Sun, May 2. 2010
See if ssh key uses a pass phrase Wed, Jan 27. 2010
It is possible though to create a public key from a private key using ssh-keygen -y ~/.ssh/id_rsa. Thus providing you with a password prompt in case you have a pass phrase defined.
In case you know of any option to directly tell if there is a pass phrase, please comment to let me know :)
Packstation Phishing Fri, Jan 22. 2010
Return-Path: info at packstation.de
X-Spam-Status: No, score=0.0 required=5.0 tests=none autolearn=disabled
Received: from s153*****.onlinehome-server.info (EHLO s153*****.onlinehome-server.info) [87.106.*****]
by mx0.gmx.net (mx087) with SMTP; 22 Jan 2010 00:39:08 +0100
Date: 18 Jan 2010 03:31:47 +0100
Message-ID: 20100118023147.2224.qmail at s153*****.onlinehome-server.info
To: meineemailadresse_neinnichtwirklich at gmx.de
Subject: PACKSTATION Systemupdate
From: DHL AG info at packstation.de
X-GMX-Antivirus: 0 (no virus found)
X-GMX-Antispam: 0 (Mail was not recognized as spam);
Content-type: text/html;
Sehr geehrte(r) Sebastian Raible.
Da wir in den letzten Wochen unser Serversystem auf den neusten Stand gebracht haben, bitten wir Sie, aktiv bei unserem umfassenden Systemcheck mitzuwirken.
Dieser dient dazu, eventuelle Fehler zu beseitigen. Wir bitten Sie daher darum, sich auf der DHL-Seite einzuloggen um Ihre PACKSTATION-Daten zu überprüfen.
http:// PACKSTATI 0 N.6x. to/index.php?id=***************
Schlägt der Loginversuch fehl, bitten wir Sie, sich unter folgender Nummer zu melden:
0800 343 *** ** (0 ct/Min*)
Viel Spaß weiterhin mit Ihrer PACKSTATION wünscht Ihnen
Ihr PACKSTATION Team
*) Aus dem deutschen Festnetz
-----------------------------------------------------------
DHL Vertriebs GmbH Co. OHG
Rathausplatz 1
10234 Berlin
Baut da jemand ein Array von Briefkästen auf, mit dem er anonym Sendungen empfangen und versenden kann?
Wenn ja, ist das immerhin mighty cool. Und irgendwie tun sich da jede Menge (teils beängstigende) Möglichkeiten auf, was man damit machen könnte.
Update: Heise hatte dazu schon im vergangenen März (2009) einen Artikel: heise security: Packstation-Phishing mit vertrauenserweckender Domain
Der Mantel Tue, Dec 29. 2009
Am Ende meiner Schicht war mein Mantel weg, meine Tasche und ein anderer Mantel waren aber noch da. Also alles klar: Eine Verwechslung. Ich schrieb einen Zettel für den Infodesk, schrieb meine Vermissensmeldung ins Wiki und sagte im Chat bescheid. Ich dentete, ich erzählte Leuten davon.
Der Tipp, doch zu schauen, wer noch Schicht hatte, lief ins Leere, auch meldete sich niemand auf meine Kontaktversuche.
Mittlerweile ist der dritte Tag, ich trug den (eine Nummer zu großen, weniger warmen und leicht kaputten) Mantel des mysteriösen Fremden weiter (mangels Alternative) und hängte ihn im Engelbereich an die Garderobe wie schon in den Tagen davor. Meinen Schal steckte ich wie immer in einen Ärmel.
Eben kam ich dann zur Garderobe zurück und: Der Schal war noch da, der Mantel weg.
Okay, also entweder der Besitzer hat gesucht und gefunden und zurückgetauscht (wo ist dann mein Mantel?). Oder aber mein Mantel wurde nicht vertauscht sondern geklaut und ich - der eine Vertauschung annahm - "klaute" den fremden Mantel. Aber wieso sollte jemand einen Mantel und nicht meine Tasche klauen?
Und wieso hat niemand einem Engelkoordinator bescheid gesagt?
Ich friere jetzt. Außer am Hals. Bin leicht verwirrt und verwirre zudem noch andere mit meiner wirren Mantelgeschichte.
Die Bienemajakoala Thu, Nov 12. 2009
Konzeptionell ist eine große Koalition einfach schon mal eine schlechte Sache. Da sind zwei riesige Parteien, die beide in sich schon zu großen Kompromissen finden müssen, um die vielen Mitglieder unter einen Hut zu kriegen. Und dann können die sich ja auch eigentlich nicht ausstehen. Sie konkurrieren um die „Mitte“ (die ich übrigens nicht für eine deutsche Erfindung halte, wie ich neulich las – siehe das Mouvement Démocrate in Frankreich), also mehr oder weniger um die selben Wähler. Folglich kann großkoalitionäre Politik nicht anders, als kompromisszerfressen zu sein.
Die kleine Koalition ist also genau das, was jetzt passieren musste. Sie kann polarisieren und klar auf Kante agieren. Sie kann unliebsame Maßnahmen durchregieren und dafür sorgen, dass sich linke und linksliberale Kräfte sammeln und organisieren können.
Die geliebte Bienemajakoala (mit Herzchen und Schleifchen) legt auch gleich gut los: Die Sozialverbände steigen endlich beim Zivildienst aus, das wird mit ein bisschen Glück endlich die Schwachstellen im System aufdecken. Die menschenfeindliche Politik von Abschiebung, Ausgrenzung und Verarmung durch die Abdrängung in Niedriglohnbereiche kann nicht durch eine vorgeblich BürgerrechtsfreundlicheBürgerrechte gelten nämlich nur für solche. Und nicht für alle Menschen, die in diesem Land leben. Politik aufgewogen werden; der sachte Ausstieg aus dem Atomausstieg nur zur Mobilisierung von Protesten führen. Wenn wir jetzt anpacken und die Polarisierung nutzen.

Anfix-Theorie II Wed, Nov 4. 2009
Ich hatte vor ein paar Wochen in meinem Artikel Sachmeinungen geschrieben, was ich schon vor ein paar Monaten formuliert hatte:
Der Konsum von Darstellungen von Kindesmissbrauch wirkt der Stellungnahme des Professors der Uni Regensburg zufolge enthemmend in Bezug auf einen späteren direkten Missbrauch.
Ich lag falsch. Osterheider schreibt wörtlich:
Mit zunehmendem Kinderpornographiekonsum verlieren auch zuvor nicht straffällige Täter zunehmend den Alltagsbezug, so dass die Interaktion mit Gleichgesinnten zu einer Art „gegenseitiger Bestätigung“ führt. Es entsteht somit zwangsläufig eine Herabsetzung der Grenze zwischen Realität und Phantasie (das heißt, pädophil veranlagte Personen, die ohne die Möglichkeiten eines Netzes Gleichgesinnter sozial isoliert bleiben würden, werden ermutigt, ihre sexuellen Wünsche auch real (in Taten) umzusetzen.Stellungnahme Osterheider
Es ist also
die Interaktion mit Gleichgesinnten, die zu
„gegenseitiger Bestätigung“ führt. Die Herabsetzung der Hemmschwelle erfolgt, weil sie in der Gruppe Bestätigung finden.
Mit Abbildungen Dokumentierten Kindesmissbrauchs hat das also – jedenfalls nach dieser Studie – nichts zu tun, dass die Hemmschwelle herabgesetzt wird.
Und ich frage mich ganz nebenbei: Wer Ermutigung und Bestätigung in einer Gruppe sucht, hat doch von vornherein eine Absicht zur Tat, oder?
Von den "Anfix"-Thesen der Zensursula und ihren FreundInnen bleibt für mich nunmehr kein bisschen Substanz übrig.

Alter Sack TM Wed, Oct 21. 2009
Früher, ich meine damals, fand ich die Leute, die irgendwo in Sphären von 5 und mehr Semestern schwebten, schon immer komisch. Konnte mir auch irgendwie gar nicht vorstellen, wie man so ewig studieren kann, und was man im Hauptstudium macht auch nicht und überhaupt: Was macht man denn dann bitte, wenn man im 8. Semester ist oder darüber?
Jetzt bin ich im 8. Semester (sic) und weiss, was man da so macht und komme mir in manchen Veranstaltungen wie ein Alien vor. Und erinnere mich an mein erstes Semester zurück, als so ein damaliger Alter Sack™ in einer Veranstaltung so locker mit dem Dozenten (oder war's ne Tutorin?) sprach. Und daran, dass ich das irgendwie befremdlich fand. So typisches Alter Sack™-Verhalten eben.
Und jetzt sitze ich hier, gehe auch nicht mehr oft in die Mensa, weil ich schon sieben Semester lang angestanden habe; würde bei der nächsten Demo gegen Studiengebühren, Bachelor oder ähnliches wohl auch "dafür bin ich zu alt" oder "das ist bei mir eh bald vorbei" oder "das betrifft mich nicht mehr" antworten wenn mich so ein junger engagierter Studi (wie ich damals) anspricht und mir sagt, ich solle doch zur Vollversammlung kommen oder ich solle doch mitdemonstrieren. … Immerhin kann ich sagen, dass ich das zu meiner Zeit selbst noch gemacht habe – die Alten Säcke™, die mir damals diese Antworten geliefert haben, fand ich einfach nur kauzig oder arrogant oder ignorant, weil sie nix machten.
Und jetzt ertappe ich mich selber dabei, wie ich dem Prof so eine lockere Antwort geben möchte – aus dem Ärmel geschüttelt. Oder wie ich sage, ich würde für die ESO nichts machen und ich würde nicht zum Erstsemesterfrühstück kommen wollen. Ich denke mir: Der denkt jetzt genau das, was ich damals gedacht habe.
Also versucht uns… mir das Alter Sack™sein nachzusehen. Ich stehe etwas mehr als ein Jahr vor meinem Abschluss (wenn mein Masterplan funktioniert), muss nicht mal mehr 40CP Scheine machen (plus Projekt) und überlege, was ich in meinen letzten zwei regulären Semestern wohl für Themenfelder für die DA oder was auch immer ich danach mache, erschließen sollte. Ich habe jetzt Scheuklappen auf und will langsam fertig werden.
Ich finde das darf ich jetzt auch.
Mehr Aufreger Thu, Oct 15. 2009
[…] Deren Anliegen betreffen die ungehinderte Nutzung des World Wide Web, jener globalen Informationsmaschine, die unser Leben verändert hat. Aber es geht um mehr als dieses Universum unnützen Wissens, in dem niemand Geld verdient außer der Porno-Industrie, die uns listenreich mit ihrem Müll versorgt. Es geht um etwas sehr Fundamentales und Hochumstrittenes zugleich, das Privateigentum. […]
Kolumne: Piraten, nein danke!
Da bedankt sich die Frau Langer aber, für sie ist gestern nämlich
Der Tag, an dem ich aufhörte, die Frankfurter Rundschau ernstzunehmen!
Was erlauben die Frankfurter Rundschau, da unkommentiert in einer Kolumne jemanden zu Wort kommen zu lassen, der meint,
[wer] Freiheit und Sozialismus [wolle, müsse] Privateigentum und Wettbewerb wollen. […] Sonst ist das Netz nur noch eine Piratensee, sprich ein Meer des Unrechts. […].
Mal davon abgesehen, dass er durchaus valide Punkte wie ein wirtschaftliches Interesse am sogenannten geistigen Eigentum hat, hat er natürlich teilweise auch unrecht.
Aber daraus dann zu folgern, man müsse jetzt die ganze FR unernstnehmen zeugte – wäre es nicht einfach unreflektiert dahingeschrieben – von einem totalitären Gemeinschaftsverständnis. Wer darf denn dann noch was sagen? Nur noch die, die bei der Piraten-Einheitspartei-Zensurbehörde nachgefragt haben, ob ihre Meinung gefällig ist?
Ob wir es wollen oder nicht, wir leben in einer Gesellschaft, in der verschiedene Menschen verschiedene Meinungen haben. Und mit Glück lesen wir Medien, die auch mal dem
sinnfreien Geschreibsel an prominenter Stelle Öffentlichkeit einräumen. Dadurch kommt es dann vielleicht mal zu einer Diskussion. Oder man merkt, was andere Leute so denken und wo man seine eigene Argumentation und Öffentlichkeitsarbeit vielleicht noch verbessern kann.
Offensichtlich kommen Themen, die PiratInnen als Piratenthemen bezeichnen.oO(und andere als Netzthemen) in der Öffentlichkeit teilweise falsch an.
Entweder Meinungsfreiheit und Meinungs
jm2c
Sachmeinungen Sat, Oct 3. 2009
Dabei kommt dann auch mal eine Antwort auf den Brief unter die Räder, den mir Marieluise Beck irgendwann Ende Juni als ausführliche Antwort auf meinen offenen Brief an sie geschrieben hat. Ist ja auch egal. Kurz gesagt: Sie hat sich dem CCCHB gegenüber gerechtfertigt, dass das nicht ihr Kern-Themengebiet sei und beweist mit ihrer Antwort, dass sie als Kompensation für ihre Unkenntnis die Argumentation von Zensuschi und anderen übernimmt.
Jetzt schmeisst @tauss mit einem Telepolis-Artikel von Twister um sich: Die religiöse Härte hinter dem Lächeln. Für den Artikel gilt absolutes Lesegebot.
Der Artikel erinnert mich jedenfalls daran, was ich bei der Recherche für die Antwort an Marieluise bemerkte. Deswegen gehe ich jetzt auf zwei Punkte aus ihrem Brief ein, für den ich – trotz Nachfrage – nie die Freigabe zur Veröffentlichung bekam:
gerade die Erschwerung des Abrufs [habe] einen Nutzen, weil der Konsum von Missbrauchsdarstellungen enthemmend wirke,Im Volksmund [nenne] man das "Anfixen"- bezogen auf die Stellungnahme von Prof. Dr. med. M. Osterheider von der Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität am Bezirksklinikum Regensburg
- die
Umgehung [erfordere] ein erhöhtes Maß an krimineller Energie [und könne] damit vermutlichund sei damit ein
[einen] Teil der potentiellen Täter vom Einstieg in diese Welt [abhalten]Beitrag zum Opferschutz, ebenfalls bezogen auf die Stellungnahme Prof. Dr. Osterheiders
[…]
Der Konsum von Darstellungen von Kindesmissbrauch wirkt der Stellungnahme des Professors der Uni Regensburg zufolge enthemmend in Bezug auf einen späteren direkten Missbrauch. Die Maßnahme sei ein Beitrag zum Opferschutz. Du schreibst dann, die Umgehung der ZugErschw[erfordere] ein erhöhtes Maß an krimineller Energie.
Ich will die Untersuchungen der Regensburger nicht klein reden. Ich kann auch keine fundierte Aussage über den Umfang Sexueller Devianzforschung machen. Ich muss aber feststellen, dass es unter den Stellungnahmen genau die eine von Herrn Prof. Dr. Osterheider gab und keine weitere.
Auf die kleine Anfrage der FDP-Fraktion zur Sperrung von Webseiten mit kinderpornographischem Inhalt (BT-Drucksache 16/13245) antwortet die Bundesregierung (BT-Drucksache 16/13347) in praktisch allen Punkten, ihr lägen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Bei der Antwort auf die Frage nach derEinschätzung, dass Zugangsblockaden die Produktion von Kinderpornographie und insbesondere den vorangegangenen Kindesmissbrauch mindern könntenbezieht sich die Bundesregierung ebenfalls allein auf die oben genannte Studie der Uni Regensburg.
Es gibt also genau eine Quelle für die immer wieder ausgewälzte Anfixtheorie und die angeblichen Präventiveffekte der Netzsperren. Alle anderen beziehen sich immer wieder auf diese Quelle.
Es mag zwar für Herrn Osterheider schön sein, so viel zitiert zu werden - aber wissenschaftlich ist die Schlussfolgerung aus einer Studie nicht.
Das passt ja aber gut dazu, dass Marieluise auch sinngemäß beim Gespräch sagte, die Wissenschaft sei ihr manchmal schlichtweg egal, wenn nunmal Ängste in der Bevölkerung existierten. (In Bezugnahme auf den Einwurf, dass härtere Strafandrohungen nach soziologischer Sachmeinung keinen Einfluss auf das Ausüben von Straftaten haben.)

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