Mehr Aufreger Thu, Oct 15. 2009
[…] Deren Anliegen betreffen die ungehinderte Nutzung des World Wide Web, jener globalen Informationsmaschine, die unser Leben verändert hat. Aber es geht um mehr als dieses Universum unnützen Wissens, in dem niemand Geld verdient außer der Porno-Industrie, die uns listenreich mit ihrem Müll versorgt. Es geht um etwas sehr Fundamentales und Hochumstrittenes zugleich, das Privateigentum. […]
Kolumne: Piraten, nein danke!
Da bedankt sich die Frau Langer aber, für sie ist gestern nämlich
Der Tag, an dem ich aufhörte, die Frankfurter Rundschau ernstzunehmen!
Was erlauben die Frankfurter Rundschau, da unkommentiert in einer Kolumne jemanden zu Wort kommen zu lassen, der meint,
[wer] Freiheit und Sozialismus [wolle, müsse] Privateigentum und Wettbewerb wollen. […] Sonst ist das Netz nur noch eine Piratensee, sprich ein Meer des Unrechts. […].
Mal davon abgesehen, dass er durchaus valide Punkte wie ein wirtschaftliches Interesse am sogenannten geistigen Eigentum hat, hat er natürlich teilweise auch unrecht.
Aber daraus dann zu folgern, man müsse jetzt die ganze FR unernstnehmen zeugte – wäre es nicht einfach unreflektiert dahingeschrieben – von einem totalitären Gemeinschaftsverständnis. Wer darf denn dann noch was sagen? Nur noch die, die bei der Piraten-Einheitspartei-Zensurbehörde nachgefragt haben, ob ihre Meinung gefällig ist?
Ob wir es wollen oder nicht, wir leben in einer Gesellschaft, in der verschiedene Menschen verschiedene Meinungen haben. Und mit Glück lesen wir Medien, die auch mal dem
sinnfreien Geschreibsel an prominenter Stelle Öffentlichkeit einräumen. Dadurch kommt es dann vielleicht mal zu einer Diskussion. Oder man merkt, was andere Leute so denken und wo man seine eigene Argumentation und Öffentlichkeitsarbeit vielleicht noch verbessern kann.
Offensichtlich kommen Themen, die PiratInnen als Piratenthemen bezeichnen.oO(und andere als Netzthemen) in der Öffentlichkeit teilweise falsch an.
Entweder Meinungsfreiheit und Meinungs
jm2c


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#1 - Wolfgang G. Wettach said:
2009-10-15 13:23 - (Reply)
Es geht doch nicht darum, die FR "unernstnehmen zu müssen" - sondern es liegt hier die bittere Erfahrung vor dass je mehr jemand von einer Sache versteht, diese Person umso eher in der Lage ist, die Inkompetenz anderer zu erkennen. In diesem Fall führt das dann vielleicht zur Erkenntnis: Die kochen nicht nur auch mit Wasser, die trinken vorher offensichtlich auch mal etwas anderes zuviel, bevor sie so einen Text uneingerahmt von eigenen Worten ins Blatt nehmen. "Et audiatur altera pars"?
Der Text suggeriert, der Piratenpartei ginge es nur ums lustige Raubkopieren, den Untergang des Abendlandes (von dem auch Frau Gaschke in der von mir sonst geschätzten ZEIT gerne faselt) nähmen sie dafür billigend in Kauf.
Wer sich etwas mit der Partei beschäftigt sollte vielleicht auch selbst mal deren Webseite, Wiki, Forum angeschaut haben (ad fontes, liebe Journalisten). Da stellt man rasch fest, dass es zwar eine inhaltlich in vielen Punkten wortlose oder um Worte ringende Partei ist, aber eine die sich der ganzen Breite der Wissensgesellschaft annehmen will, von Gen-Patenten über Bildung bis zum Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung.
Meine in Kocks' Kolumne auch erwähnte Partei ist zu meiner Freude durchaus breiter aufgestellt und zugleich programmatisch was die Wissensgesellschaft angeht nicht hinter den Piraten zurück. Ich erwarte von einer politischen Kraft im Land auch mehr als Politik für das eigene Klientel, wie das bei Piraten und Steuersenkungsgläubigen die Gefahr ist. Darum: Bevor ein Herr G. aus B. nicht Bundesvorsitzender wird habe ich nicht vor, die Partei zu wechseln. Mir ist auch unwohl, wenn die Partei nach Rechts so offen zu sein scheint, was Burkhard Schröder verhindern möge. Es gibt also durchaus berechtigte Kritik an der Piratenpartei wie sie sich heute zeigt.
Aber die Botschaft dieser Meinungskolumne, die vom Wert her nicht wesentlich über "geht doch nach Kuba!" hinausgeht, ist so unterirdisch dass sie genausogut von FJ Wagner in der BILD stammen könnte.
Wer angesichts von BILD-Niveau Kolumnen in der FR Schwierigkeiten hat, die Frankfurter Rundschau noch ernstzunehmen hat mein vollstes Verständnis.
#1.1 - Sebastian Raible said:
2009-10-21 12:27 - (Reply)
Angesichts solch intensiven lateinischen Floskelgebrauchs fällt es mir schwer, den Kommentar nicht prominent zu ignorieren.
Wenn ich G. und B. richtig ergänze, muss ich aber (in bester Cato-Manier) antworten: Es ist ja nicht nur Güldner, der die Bremer Grünen auf den schwarz-grünen Wechsel in eine absurde(!) Zukunft vorbereitet – es sind ja noch andere Landesverbände und das sind ja auch Teile der Bundespartei – fällt es mir weiterhin schwer, mir eine Rückkehr vorzustellen. Genau so wie irgend eine Einkehr in eine andere der verfügbaren Parteien.
